Montag, 28. September 2009

Der Kontrollverlust

Ach wie habe ich mich diese Woche wieder fremdschämend auf dem Sofa gewunden, als in einer renommierten TV-Talkshow des öffentlich rechtlichen Fernsehen, über Twitter und das Web an sich debattiert, und dann fingerzeigend abgestraft wurde.
JBK führte live durch die Welt des Webs und zeigte dabei insbesondere Twitter. Er präsentierte sein Twitter-Account, den er wohl nicht selbst für sich angelegt hat, sondern von einem Fan oder irgendeinem User angelegt wurde. Der Fremd-Twitterer lässt Kerner wohl regelmäßig mit Tweets aufleben.

Hier der Ausschnitt der Show.



Nun ja, einen Twitter-Account für eine Person aufzumachen, die davon nichts weiß, ist ein unfeine Angelegenheit. Insbesondere dann, wenn der Account dann auch noch so perfekt gestaltet ist, dass die Fan-Gemeinde draußen glauben könnte, es handele sich tatsächlich um die Person und nicht einfach nur um Satire.

Aber solche Piraterie kommt leider vor und dann ist eigentlich die Web-Gemeinde bzw. Gesellschaft aufgefordert, dagegen vorzugehen. Alle haben heutzutage eine hohe Verantwortung darauf zu achten, dass im Web oder direktem Umfeld, kein Missbrauch an Gesetzen, Personen, Moral, Umgangsformen etc. geschieht…
Zentrale (staatliche) Kontroll-Instanzen sind mit dieser Aufgabe meist eh überfordert und gerade im asymmetrischen Web, wird eine Kontroll- oder Freigabe-Instanz nicht greifen und unmöglich sein.
Dieser Sachverhalt geht aber nicht in die Köpfe vieler Politiker und auch Vertreter der Medien tun sich schwer damit. Schön zu erleben in der besagten Kerner-Show, wo sich die eine prominente Runde von GEZ-subventionierter ZDF-Moderatoren Prominenz, selbstgefällig und überheblich über Twitter auslässt. Schön von oben herab… Aber letztendlich erschreckend unbeholfen.

Wie bereits erwähnt, startet Kerner mit der Abstrafung, indem er sich noch - anfangs verständlicherweise - über seine fremdgesteuerte Twitter-Präsenz echauffiert.
Dann aber gleitet er und die ganze Debatte schnell ab in Aussagen wie, “das ist alles Geschwätz“, „das muss man doch insgesamt kontrollieren“, „was da läuft ist alles gehaltlos für journalistisches Arbeiten“ , „ich klemm den Mist jetzt einfach mal ab und mach den Deckel de Notebooks zu“ etc.

Schnell merkte man aber, dass z.B. im Iran die Journalisten-Zunft ihre Informations-Quellen oft über Twitter anzapfen. Man relativierte diesen Sachverhalt aber ganz schnell wieder mit einer obigen Handbewegung und mit der Bemerkung, es handele sich hier um Ausnahmenfälle, die mit der normalen Situation in Deutschland nicht vergleichbar sind. Und Twitter-Information, die aus dem Iran über den Äther zwitschern, würden natürlich sauber in Mainz checkt.
Ja, schön, finde ich auch gut… Aber ich habe das Gefühl, dass es die Herren insgeheim ein grundsätzliches Problem mit der Information haben, die im Web und Twitter oder Blogs etc unterwegs sind. Egal ob im Iran oder anderswo…

Information wird nämlich nicht mehr nur durch ihren Journalisten-Stab recherchiert und über ihren Sender von oben herab zum Volk distribuiert. Ohne Rückkanal… Plötzlich sind da ganz viele Journalisten, die sich aus dem gemeinen GEZ-zahlenden Volk rekrutieren. Diese Twitter-Journalisten senden Informationen an eine breite Masse, über ihren eigenen trivialen Twitter-Channel, in das ZDF-Sendegebiet und weit darüber hinaus. Unkontrolliert und an den etablierten journalistischen Größen und Medien-Instanzen vorbei.

Ach, wie ich ähnlich geartete Twitter- oder Web2.0-Debatten aktuell in den Medien immer mit Interesse verfolge!
Aber manchmal auch satt habe, weil man sich argumentativ eigentlich immer im Kreise dreht.
Soll der eine doch Twittern und der andere eben nicht, wenn er nicht möchte. Auch ich finde Twitter manchmal nervig, manchmal macht es mir Spaß. Manchmal betreibe ich dort ernsthafte Kommunikation, manchmal zwitschere ich eben nur Geschwätz in den Channel. Wie ich gerade Lust habe… Manchmal sind sogar Rechtschreibfehler in meinen Tweets.
Die Diskussionen, ob Twitter nun als neuer, ernst zu nehmender Informations-Channel etabliert werden kann, wo pisa-studien-gerechte Kommunikation betrieben wird, basiert meiner Ansicht nach eh nur auf einem simplen Sachverhalt, welcher die Vertreter der Medien zur Zeit massiv bedrückt:
Der drohende Kontrollverlust ihrer herrschaftlichen Sender- bzw. Publikations-Rolle.

Sonntag, 27. September 2009

Die Messebratwurst

Ein Messebesuch ist immer etwas Spannendes. Man kommt mal raus und man kann sich vor Ort von dem Trubel an Ausstellern, Besuchern, Vorträgen, Seminaren, Diskussionen etc inspirieren lassen!

Die Marken, Produkte und Vertreter der jeweiligen Unternehmen werden vor-Ort erleb- und fühlbar.

Früher war eine Messe eine wichtige Plattform für Hersteller, um ihre Produkte überhaupt bei Händlern oder Kunden anbieten zu können. Meist war sie sogar die einzige Veranstaltung im Jahr, wo Kunden und Einkäufer begeistert wurden und Verträge für den Absatz des ganzen Jahres abgeschlossen wurden.

Wenn die Messe man sich nicht gut auf einer Messe präsentierte oder die Messe – aus welchen Gründen auch immer - sonst nicht erfolgreich verlief, hatte das gravierende Folgen für das Unternehmen…

In manchen Branchen z.B. Fashion ist eine Messe bzw. „Cat walk“ immer noch sehr gewichtig. Die meisten Branchen haben zwar noch eine Messe, präsentieren, kommunizieren und vertreiben ihre Ware aber mittlerweile über alle möglichen Kanäle.

Als Kunde kann man sich bequem online über Produkte informieren, sich diese sogar in 3D mit allen möglichen Zusatzinformationen anschauen, konfigurieren und sofort per e-Shop ordern! Manchmal direkt vom Hersteller, ohne einen zwischengeschalteten Händler. Und ohne extra auf einen Messe fahren zu müssen…

Eine Messe hat insgesamt an Wichtigkeit verloren, aber trotzdem werden Messen teilweise noch gelebt und zelebriert, wie in den guten alten Zeiten.

Auch in der „Online-Branche“ wird jährlich eine Messe zelebriert, auch wenn es hier noch nie Produkte gab, die man als „Hersteller“ haptisch vor-Ort hätte präsentieren müssen. Die „digitale Branche“ könnte und müsste sich doch komplett virtuell im Web oder „Social Web“ treffen können und sich dort per Chat, Webinars, Twitter etc gegenseitig ihre Produkte feilbieten. Vielleicht ab und zu noch ein Kennenlern-Meeting inkl. Konfi-Keksen… So wie das Biz das ganze Jahr über eh schon läuft…

Wie auch immer, ich bin in diesem Jahr auf die Dmexco gefahren, um dort in den Messe-Rummel einzutauchen und vielleicht eine Neuigkeit zu erfahren oder zu erleben, die ich im Web nicht wahrgenommen habe.

Nachdem ich zu spät in Köln angekommen bin, wurde meine minutiös geplante Messe-Agenda, mit Bulletpoints für Meetings, Seminare und sonstiges, noch einmal durcheinander geworfen, weil mich der Taxi-Fahrer beim Rheuma-Kongress ablieferte…

Das merkte ich aber erst, als ich mich dort Einchecken wollte. Irgendwie machte ich mir bezüglich dieses Faux-Pas schon meine Gedanken!? Nuschelte ich den Taxifahrer so unverständlich das Fahrtziel zu oder sehe ich etwa aus, als ob ich etwas mit Rheuma zu tun habe?

Nun ja, irgendwann war ich dann auf der richtigen Messe!

Um mich herum ganz viele wichtige Online-Biz-Man und Women. Die meisten schleppten zackig einen Trolly hinter sich her, in der einen Hand auch noch ein (i)Fone und dann noch Stöpsel im Ohr und Zeitung unterm Arm. Alle waren gierig auf den „Badge“, den man sich als Zugehörigkeitserkennungsmerkmal an einem Halsband schick und wichtig umhängen muss. In diesem Jahr steckte ich das Ding einfach mal weg, um zu sehen, was dann passiert. Mal vorweg genommen: Es interessierte niemanden, dass ich mit oder ohne „Badge“ unterwegs war.

Nun ja, ich machte mich auf in die Halle und eroberte die Stände, die irgendwie wie Trutzburgen in die Halle ragten und sich vom Mitbewerber abgrenzten. Die Stände hatte ich recht schnell abgearbeitet, denn es handelte sich zum Großteil, um die Vermarkter- und Media-Szene, die nun mal Werbeplätze verkaufen, was im Online-Biz eine „spannende“ Wertschöpfung darstellt, mich nicht so sehr interessiert. Dieses mal waren die Media-Offerte aber hübsch verpackt in Targeting- und Social-Media Bundles etc.

Dann begeisterte ich mich in Seminaren, die in einer großen Vielzahl angeboten wurden und inspirierende, qualitativ hochwertige Themen boten.

Nach einigen Meetings hatte ich dann soweit alles abgearbeitet und gönnte mir, ziemlich erschlagen vom Rummel und ständigen Messegeräuschpegel, einen gute Kaffee.

Parallel zum Kaffe schmiss ich mein Notebook an, um zu schauen, was im Web für Neuigkeiten gibt, denn irgendwie hatte ich das Gefühl real vor-Ort nicht alles mitbekommen zu haben bzw. das Gefühl etwas verpasst zu haben…

Und tatsächlich, neben diversen interessanten e-Mails und Web-Announcements zur Dmexco, blies mir auf dem Twitter-Channel ein wahres Realtime-Informations-Donnerwetter entgegen.

Unter dem Hashtag „#dmexco“ schienen sich die News zu überschlagen.

Da wurde von allen Ecken der Messe getwittert, wie es sich z.B. um die Qualität des Vortrages, der Bewirtung, des Sounds des Mikros verhält, ob man noch Karten für die Party hat, dass im Seminar Y noch Plätze frei sind, wer mit auf den Bratwurststand kommt, wo im Raum X eine Steckdose zu finden ist, was gerade am Stand X zu sehen ist, wo die schärfste Messehostess engagiert ist und was sie gerade macht etc etc…

Ich war begeistert und hatte nun bei meinem Kaffee das Gefühl, nicht nur taktisch an Ständen vorbeizustolpern, sondern auf einen Schlag einen Überblick aller Wichtigkeiten und Nichtigkeiten der ganzen Messe zu haben.

Es schien mir, als ob über oder neben dem realen Messegetümmel, ein Layer gelegt wurde, der in Echzeit zusätzliche Informationen transportiert. Genau auf den Ort bezogen, wo man sich gerade befindet bzw. auf den Umkreis des Messegelädes. Quasi wie eine Parallelwelt mit Offline- Online-Ortsbezugs-Schnittstelle …

Später hatte ich großen Spaß an Tweets, die aus meiner direkten Umgebung von wenigen Metern stammen mussten. Ich versuchte die Tweets den Leuten an den Tischen oder Ständen um mich herum zuzuordnen. Viele Besucher waren ja mit einem Mobile Device oder Notebook zugegen bzw. mit gesenktem Kopf ins Web abgetaucht.

Leider gelang es mir nicht, eine Person zu catchen, die in der realen Messewelt gerade einen Tweet in die virtuelle Messeparallelwelt absetzte. Zu gerne hätte ich den Twitterer dann direkt und persönlich angesprochen.

Irgendwann war dann die Akkuladung meines X200 durch und ich hatte Hunger. Und was gönnt man sich auf jeder Messe? Egal ob Online oder Offline und egal um welches Produkt es sich dreht?

Richtig: Eine Messebratwurst mit Brötchen und Senf! Und dazu ein eiskaltes Karamalz!

Und um den Bratwurststand herum war ordentlich was los. Ohne Mobile Device und real, und nicht getwittert.Denn eine Messebratwurst verbunden mit netten Gespräch mit alten Kollegen oder zufälligen Bekanntschaften, erfordert volle Konzentration. Außerdem hat man keine Hand mehr frei.

Sonntag, 20. September 2009

Die Politikverdrossenheit

Wenn man den Medien und dem sonstigen Geschnattere glauben soll, dann herrscht in Deutschland eine schwergewichtige Politikverdrossenheit…

Laut Wikipedia steckt dahinter folgender Sachverhalt:
Politikverdrossenheit bezeichnet die negative Einstellung der Bürger in Bezug auf politische Aktivitäten und Strukturen, u.U. resultierend in Desinteresse und Ablehnung von Politik und politischem Handeln. Politikverdrossenheit führt zur mangelnden Partizipation am politischen Prozess. Diese Haltung kann generell die ganze politische Ordnung betreffen oder sich nur auf Ergebnisse politischer Prozesse beziehen.

Nun ja, auch im direkten Umfeld hört man auch desöfteren, dass man die Wahl bzw. die Politik in Deutschland nur als großes langweiliges Theater empfindet und man sich deshalb nicht darum kümmere oder diese ignoriert.

Auch mir steht das Geseiere manchmal bis zum Hals, aber grundsätzlich würde ich doch behaupten, dass die politische Spannungslage – insbesondere jetzt, eine Woche vor der Wahl - doch recht erquickend ist und mich nicht dazu veranlasst, insgesamt verdrossen zu sein.

Zugegeben, die Wahlplakate sind in diesem Jahr auch wieder nur rot, grün, gelb oder sonstigen Farben, mit fetten Lettern und meist mit der Abbildung von isometrisch-ordnungsgemäßen gescheitelten Köpfen.

Das Kanzlerduell war jetzt auch nicht unbedingt der Sonntags-Abend-Hollywood-Blockbuster. Aber was hat man denn erwartet? Lautes Angebrülle, Tränenausbrüche, schallende Ohrfeigen... Dafür sind andere TV-Formate zuständig, wie z.B. die "Supernanny" oder "Bauer sucht Frau" oder „Die Stars und Modells auf Pro7“ etc.

Einen Obama mit zugehörigen Web 2.0 Wahlkampf inkl. all der engagierten Wahlhelfer, haben wir auch nicht am Start. Die zugehörigen übertriebenen und emotional triefneden U.S. Shows würden meiner Ansicht nach auch nicht unbedingt in unser Ländle passen.

Auch werden sich hier kaum so viele potentielle Wähler für einen Wahlkampf einspannen lassen, um mit Fähnchen oder aktiv im Web oder per Outbound-Call, ehremamtlich für Ihren Kandidaten Wahlkampf zu betreiben.

Trotz all der Wünsche nach mehr Pepp im Wahlkampf, ist Politik bei uns in der breiten Masse doch immer noch etwas staatstragendes, was entsprechend schwerfällig, manchmal verkrampft und eben nicht wie eine bunte Party zelebriert wird.

Und man gibt sich eben meist eher Politikverdrossen, als das man sich auf ein engagiertes Kommittent einlassen würde, was man denn wählen würde.

Die politische Einstellung oder Wahlfavorit wird von vielen nicht gerne ausgeplaudert, genau so wenig, wie man z.B. nicht offen ausplaudert, was man verdient… Vielleicht gibt es hier ja einen Zusammenhang mit den hiesigen historischen Begebenheiten, die hinsichtlich Politik und sonstigen kulturellen Gepflogenheiten, doch etwas anders gewachsen ist, als in den U.S.A.

Wie auch immer, gibt es hierzulande - trotz aller trägen Altlasten - teilweise recht innovative Bewegungen, gerade bei den kleineren und neuen Nischenparteien, die so manche Veranstaltung, jenseits der Kanzlerduelle, sehr spannend werden lassen.

Auch gibt es z.B. interessante, eigentlich unpolitische Aktionen, die plötzlich auf politischer Bühne ausgetragen werden. Z.B. den „Yeah-Flashmob“ am Freitag in Hamburg, während einer Kanzlerrede-Veranstaltung von und mit Angie auf dem Gänsemarkt.

Ein Flashmob bezeichnet dabei einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer üblicherweise persönlich nicht kennen. Flashmobs werden über Online-Communitys, Weblogs, E-Mail-Kettenbriefe oder per Mobiltelefon organisiert.

Vom Hamburger „Yeah-Flashmob“ habe ich Freitag mittags via Twitter erfahren und dann via Netzfischer-Blog. Hier zu lesen.

Dann wurde der Flash-Mob live übertragen und letztendlich innerhalb weniger Minuten in Youtube eingestellt.



Am nächsten Tag gab es hierzu auch Beiträge im Web z.B. auf Spiegel und im TV.

Ich frage mich, ob dieser Flashmob - und insgesamt alle Flashmobs - unpolitisch sind bzw. bleiben können. In diesem Fall fand der Flashmob ganz klar auf einer politischen Bühne statt.
Auch wenn dieser Flashmob genauso unpolitisch, wie die meisten bisherigen Flashmobs initiiert wurden, können die sehr zynischen „Yeah-Zwischenrufe“ nicht gerade als zustimmendes oder unpolitisches akustisches Geständnis gewertet werden…

Was mich auch kritisch stimmt, war wieder einmal die Präsenz der „Piratenpartei“, die sich mit einer Fahne gut im Bild der übertragenden Medien postierten.
„Geschickt reingekapert“ sag ich da nur oder war es nur Zufall oder wurde dieser Mob sogar von den Piraten via Internet/Web lanciert…?

In der Wahrnehmung vieler unbescholtener Bürger und User proklamieren sie in ihrem "Programm" ja bereits viele Stimmungen, Trends und Aktionen des Internets für sich.

Bei diesem Flashmob bleibt für mich unklar, ob dieser nun politisch initiert war oder lediglich, über eine zufällig im Bild geschwenkte Fahne im Video, nachträglich politisch gekapert wurde.

Dafür müsste man den Organisator oder besser denjenigen ausfindig machen, der die Idee auf das Wahlplakat kritzelte und damit den Zünder für den Ideen-Flashmob lieferte. Da nach der Ideenfindung und erster Kundgebung im Web, die Informationsverteilung webtypisch assymmetrisch verlief, kann man im Nachhinein aber nicht sicherstellen, ob sich nun überwiegend viele gut im web-organisierte politisch engagierte User bzw. Bürger eingeklinkt haben und den Flashmob ihrerseits in ihrer Gesinnungsseilschaft weiter politisiert haben…

Oder hat irgendjemand mitgeschnitten, wie sich die Flashmob-Gesellschaft über welche Kanäle organisiert hat, wer dabei die "Haupt-Influenzer" waren und welche politische Gesinnung mit welchem prozentualen Anteil dann letzttendlich beim Flashmob anwesend war?

Wie auch immer, ein Flashmob mit einer Ansammlung von vielen Menschen, die irgendetwas aufführen, aussagen, zeigen, rufen etc., werden immer irgendwie ein kommunikatives Gewicht bzw. Wirkung haben.

Die „Gefahr“ der Ausnutzung für politische oder kommerzielle Zwecke, ist dabei immer vorhanden….

Aber vielleicht ist ein Flashmob eine neue Form der politischen Kundgebung, wo sich die Anhänger ganz spontan zusammenfinden und sich nicht vom Podium mit einer Rede berieseln lassen. Selbst organisiert und engagiert, mit eigener Botschaft, ganz unverdrossen in der Öffentlichkeit.

Man sollte die Flashmobs dann aber vorher entsprechend klassifizieren. Z.B. mit „Achtung politisch“ oder "potentiell politisch" und zusätzlich einem „Ampelsytem, wie man es gerade bei der Lebensmittelklassifizierung einführt.

All zu schnell ist man da als "unpolitischer harmloser Flashmob-User" ggf in eine politische Bewegung bzw. den zugehörigen politischen Flashmob reingerutscht, die einem gar nicht zusagt und ganz weit links oder rechts oder im Niemandland angesiedelt ist... Und dann wird in diesem Umfeld ganz plötzlich noch per Live-Webcam und per Youtube im Web verewigt.

Dienstag, 15. September 2009

Die Kollaboration

Der Begriff Kollaboration führte bei mir früher eher ein Nischendasein und wurde eigentlich nur in einer kurzen Phase der Schulzeit recht strapaziert, in Verbindung mit den französischen Kollaborateuren, eingesetzt. Dabei hatte der Begriff immer einen negativen, bedrückenden Beigeschmack.

Dann war rund um diesen Begriff lange Zeit Ruhe, bis das Web und insbesondere die großartigen Errungenschaften des "Web 2.0" aufkamen und zu einer positiven Neuaufladung der Begrifflichkeit führte!

Denn das „Web 2.0“ bietet nicht nur Interaktion und Dialog. Durch den möglichen Zusammenschluss einzelner Individuen zu kollaborativen Interessengemeinschaften, können große, meist schlaue und schöpferische Schwärme mit ungeahnter Wissens- und Schaffenskraft entstehen.

Solche kollaborativen Schwärme oder Bewegungen, erzielen zum Teil erstaunliche Erfolge mit Projekten bzw. Webplattformen oder Software.
Einige der bekanntesten Projekte sind z.B. Wikipedia oder Openoffice. Diese sind bemerkenswerterweise nicht-kommerziell und eigens durch ein Schwarm von vielen motivierten Individuen vorangetrieben... .

Bei der Recherche nach kollaborativen Projekten, bin ich auch wieder über die Software Photosynth gestolpert, die schon einige Zeit auf dem Markt ist, aber trotzdem recht unbekannt ist. Und das obwohl ein großer Softwarekonzern dahinter steckt, der kommerziell recht gut ausgestattet ist und werblich ordentlich trommeln könnte.

Der Ansatz und Output der Software ist meiner Ansicht nach beeindruckend und eine geniale Möglichkeit, eine gigantische Kollaboration aller Hobby-Fotografen weltweit zu bilden, die mit der Vielzahl ihrer Fotos, zu einer neuen dreidimensionalen virtuellen Abbildung der Welt führen würde. Fotografen und digitale Fotos, die irgendwo in riesiger Anzahl auf Festplatten schlummern, gibt es heutzutage aufgrund der hohen Verbreitung von Digi-Cams ja genug.

Was kann die Software?

Sie fügt einzelne Bilder zu einen großen Ganzen zusammen. Zu einem dynamischen Bild in 3D-Anmutung, das aus vielen einzelnen 2D-Bildern besteht. Je mehr Bilder, desto besser! Dabei ist die Perspektive, Blickwinkel und Standort etc nicht entscheidend.
Die Software funktioniert vollkommen automatisch und braucht keinerlei kniffelige Einstellungen durch den Anwender. Alles, was der Nutzer tun muss, ist, seine Bilder auf Photosynth-Seite hochzuladen und den Bearbeitungsvorgang anzustoßen.
Ein spezieller Algorithmus überführt markante Teile eines Bildes in eine Punktwolke. Dadurch erhält jedes Bild einen individuellen "Fingerabdruck". Überschneiden sich die Fingerabdrücke mehrerer Fotos, kann Photosynth die Bilder zu einer Szene zusammensetzen. Nach und nach entsteht dadurch eine dreidimensionale Landschaft, durch die beliebig gezoomt und geschwenkt werden kann.

Und so sieht das 3D Bild des Markusplatz aus, für den ja Millionen von Touristen Milliarden von Bildern schießen. Einfach reinklicken und durch die untere Navigation einen virtuelle Bilder-Rundtour über und rund um den Platz starten.



Wenn man von allen Plätzen, alle möglichen Bilder, von allen Hobby-Fotografen weltweit hochladen würde, hätte man irgendwann ein perfektes kollaboratives virtuelles Abbild in 3D geschaffen.
Großartiger Gedanke! Endlich könnten auch alle digitalen Fotos, die derzeit irgendwo unnütz auf Festplatten verbannt sind, in kollaborativer Form, einer neuen Bestimmung zugeführt werden, an dem sich alle erfreuen könnten.

Hhmmm... jetzt fällt mir gerade etwas auf.... Durch das Hochladen auf den Server, kommt Microsoft ja unweigerlich in den Besitz von riesigen Bilddatenmengen... Vielleicht ist das Sammeln der Bilder, das perfide Ziel von Microsoft und das beeindruckende Software-Tool lediglich der Köder für Fotografen ihre Bilder herzugeben.... Wobei die Rechte der Einzelaufnahmen ja eigentlich noch bei den Fotografen liegen sollten. Oder tritt man dir Rechte ab...?
Google fährt derzeit mit einigen Daten-Grabbing-Aktionen ja teilweise auch recht umstrittene Projekte, wo die Urheberschaft und Datenschutz recht burschikos gehandhabt werden.

Ach herjee, jetzt wird es wieder rechtlich verzwickt und schmuddelig....